Epic Games – Alles, was du über den Spielegiganten wissen musst
Von Redaktion gaming-radar.de
Kaum ein Unternehmen hat die Gaming-Branche in den letzten Jahren so nachhaltig verändert wie Epic Games. Vom Entwicklerstudio hinter der legendären Unreal Engine bis hin zum Betreiber des Epic Games Store und dem globalen Phänomen Fortnite – Epic spielt auf vielen Ebenen gleichzeitig und mischt dabei jede einzelne gründlich auf. Wenn du verstehen willst, warum Epic Games so einflussreich ist, welche Produkte und Services das Unternehmen bietet und wie du als Gamer konkret davon profitierst, bist du hier genau richtig. In diesem Artikel ordnen wir die wichtigsten Fakten ein, geben dir praktische Tipps und liefern unsere ehrliche Einschätzung.
Die Geschichte von Epic Games: Vom Indie-Studio zum Milliarden-Konzern
Epic Games wurde 1991 von Tim Sweeney in Potomac, Maryland, gegründet – damals noch unter dem Namen Potomac Computer Systems. Was als Ein-Mann-Projekt begann, entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einem der mächtigsten Unternehmen der gesamten Unterhaltungsindustrie. Der erste große Durchbruch gelang mit dem Shooter Unreal im Jahr 1998, der nicht nur als Spiel überzeugte, sondern gleichzeitig die Geburtsstunde der Unreal Engine markierte.
In den 2000er-Jahren festigte Epic seine Position mit der Gears of War-Reihe, die als Xbox-Exklusivtitel Millionen Spieler begeisterte. Doch der wahre Gamechanger kam 2017: Fortnite Battle Royale. Der kostenlose Ableger des ursprünglich als kooperativen Survival-Shooter geplanten Spiels explodierte förmlich und katapultierte Epic Games in eine völlig neue Dimension. Zeitweise spielten über 350 Millionen registrierte Nutzer Fortnite, und die Einnahmen durch Mikrotransaktionen erreichten Milliardenhöhe.
Heute wird Epic Games mit einer Bewertung von rund 32 Milliarden US-Dollar gehandelt. Zu den Anteilseignern gehört unter anderem der chinesische Tech-Riese Tencent, der etwa 40 Prozent der Anteile hält. Aus unserer Sicht ist Epic damit eines der wenigen Unternehmen, das sowohl als Entwickler als auch als Plattformbetreiber und Technologie-Lieferant gleichzeitig an der Spitze steht – eine Position, die in der Branche ihresgleichen sucht.
Die Unreal Engine: Das technologische Herzstück
Wenn Epic Games nur ein einziges Produkt hätte, wäre die Unreal Engine allein schon Grund genug, das Unternehmen als Branchenführer zu bezeichnen. Die mittlerweile in der fünften Generation verfügbare Engine ist der Industriestandard für hochwertige Spieleentwicklung – und längst nicht mehr nur auf Gaming beschränkt.
Die Unreal Engine 5 bietet Technologien wie Nanite (virtualisierte Geometrie für extrem detailreiche Welten), Lumen (dynamische globale Beleuchtung in Echtzeit) und MetaHuman (fotorealistische digitale Menschen). Diese Features ermöglichen eine visuelle Qualität, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.
Praktischer Tipp: Die Unreal Engine 5 ist komplett kostenlos nutzbar. Erst wenn dein Spiel oder Projekt mehr als eine Million US-Dollar Umsatz generiert, wird eine Lizenzgebühr von fünf Prozent fällig. Für Hobby-Entwickler, Indie-Studios und Lernende ist das ein unschlagbares Angebot. Lade die Engine direkt über die offizielle Epic-Webseite herunter und nutze die umfangreichen kostenlosen Tutorials und Beispielprojekte.
Neben der Gaming-Branche setzen auch Film- und Fernsehproduktionen, Architekten und Automobilhersteller auf die Unreal Engine. Serien wie The Mandalorian nutzen die Technologie für virtuelle Kulissen in Echtzeit.
Der Epic Games Store: Konkurrenz für Steam
Im Dezember 2018 startete Epic den Epic Games Store – und erklärte damit Steam offen den Krieg. Das Alleinstellungsmerkmal: Epic nimmt von Entwicklern nur 12 Prozent Provision statt der branchenüblichen 30 Prozent bei Steam. Für Entwickler bedeutet das deutlich höhere Einnahmen pro verkauftem Spiel.
Für dich als Spieler ist der Epic Games Store vor allem wegen eines Features interessant: den kostenlosen Spielen. Jede Woche verschenkt Epic mindestens einen Titel – darunter waren bereits AAA-Kracher wie GTA V, Civilization VI, Death Stranding und Tomb Raider. Seit dem Start wurden über 2.700 kostenlose Spiele angeboten, mit einem geschätzten Gesamtwert von mehreren Tausend Euro.
Unser Tipp: Erstelle dir einen Epic-Account und schaue jeden Donnerstag im Store vorbei, um die kostenlosen Spiele mitzunehmen – auch wenn du sie nicht sofort spielst. Die Titel bleiben dauerhaft in deiner Bibliothek. So baust du dir über die Monate eine beeindruckende Spielesammlung auf, ohne einen Cent auszugeben.
Allerdings muss man auch ehrlich sein: Unser Eindruck nach jahrelanger Nutzung ist, dass der Epic Games Store funktional immer noch hinter Steam zurückliegt. Features wie ein umfassendes Bewertungssystem, Community-Foren, Workshop-Support und ein ausgereiftes Freundeslistensystem fehlen nach wie vor oder sind nur rudimentär vorhanden. Epic arbeitet kontinuierlich an Verbesserungen, aber der Rückstand bleibt spürbar.
Fortnite: Mehr als nur ein Spiel
Fortnite ist längst kein reines Battle-Royale-Spiel mehr – es hat sich zu einer kulturellen Plattform entwickelt. Mit Live-Events wie virtuellen Konzerten von Travis Scott, Ariana Grande und Eminem, Crossover-Events mit Marvel, Star Wars, Dragon Ball und LEGO sowie dem kreativen Modus Fortnite Creative (und dem Nachfolger UEFN – Unreal Editor for Fortnite) ist Fortnite heute eher ein Metaverse als ein klassisches Videospiel.
Besonders das LEGO Fortnite-Erlebnis, das Ende 2023 eingeführt wurde, zeigt, wohin die Reise geht: ein offenes Survival-Crafting-Spiel innerhalb des Fortnite-Ökosystems, das eine völlig neue Zielgruppe anspricht. Dazu kommen Modi wie Fortnite Festival (Rhythmusspiel), Rocket Racing und regelmäßige inhaltliche Updates, die das Spiel frisch halten.
Praktischer Tipp: Wenn du in Fortnite einsteigst oder zurückkehrst, nutze den Zero-Build-Modus. Dieser entfernt das komplexe Bausystem und macht das Spiel deutlich zugänglicher – perfekt für Einsteiger oder Spieler, die klassische Shooter-Mechaniken bevorzugen.
Epic Games und der Kampf um faire Marktbedingungen
Epic hat sich auch als Vorreiter im Kampf gegen die Marktmacht großer Plattformbetreiber positioniert. Der viel beachtete Rechtsstreit gegen Apple, der 2020 begann, drehte sich um die 30-Prozent-Provision im App Store. Epic provozierte bewusst eine Konfrontation, indem das Unternehmen ein eigenes Bezahlsystem in Fortnite integrierte – was zum Rauswurf aus dem App Store führte.
Das Gerichtsverfahren brachte gemischte Ergebnisse, führte aber zu einer breiten öffentlichen Debatte über faire Praktiken in digitalen Marktplätzen. Aus unserer Sicht hat Epic hier – unabhängig vom juristischen Ausgang – einen wichtigen Impuls für die gesamte Branche gesetzt, der langfristig allen Entwicklern zugutekommen dürfte. Inzwischen hat sich die Situation weiterentwickelt, und in der EU ermöglicht der Digital Markets Act alternative App-Stores auf iOS.